Die Achillessehne - Geduld ist angesagt...
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Die Achillessehne, die kräftigste Sehne des menschlichen Körpers,
galt schon in der griechischen Mythologie als die Schwachstelle
des sonst unbesiegbaren Achilleus (Achilles-Ferse). Auch
ambitionierte Läufer wissen davon ein Lied zu singen.
Die Funktion der Achillessehne besteht in der Beugung des Sprunggelenkes,
das bedeutet: der Vorfuß wird kraftvoll nach unten gezogen. Diese Bewegung
ist wesentlich für den Abstoß des Fußes beim Gehen und Laufen.
Überlastungen der Achillessehne im Laufsport und daraus resultierende
Entzündungen (Achillodynie) sind leider häufig - und oft auch sehr langwierig.
Betroffen ist entweder die Achillessehne direkt am Ansatz am Fersenbein -
oder die Sehne und das umgebende Gleitgewebe mehrere Zentimeter oberhalb des
Ansatzes. Bei der chronischen Achillodynie kommt es zu einer spindelförmigen
Verdickung der Achillessehne, verbunden mit anhaltenden Schmerzen, die manchmal
stärker, manchmal schwächer sind.
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Typische Symptome...
...sind Schmerzen, Schwellung und Überwärmung der Achillessehne. Der Läufer
spürt typischerweise ein unangenehmes Ziehen im Sehnenbereich.
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Dazu kommt
eine starke Druckempfindlichkeit der betroffenen Region. Die Sehne und das
umgebende Gewebe können anschwellen, häufig ist die Verdickung auch tastbar
und überwärmt. Besonders stark sind die Schmerzen morgens, direkt nach dem
Aufstehen und eine Belastung ist kaum möglich. Auch beim Laufen sind die
ersten Minuten besonders unangenehm, dann vergehen die Schmerzen und es ist
oft nur noch ein Ziehen spürbar. Nach dem Laufen und nachts können wieder
stärkere Schmerzen auftreten. Im chronischen Stadium ist die Sehne oft verdickt. |
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Bild: Chronische Achillodynie |
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Diese Verdickung ist in der MRI Aufnahme deutlich sichtbar.
In fortgeschrittenen Fällen können zentrale Nekrosen
(=abgestorbenes Gewebe) sichtbar sein... |
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Bild: MRI einer chronischen Achillodynie |
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...und kann es zu einer Verknöcherung im Achillessehnenansatz
kommen, der sogenannten Haglund-Deformität, wie sie typisch bei
Langstreckenläufern auftritt. |
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Bild: Haglund-Deformität |
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Die chronische Entzündung verursacht oft
Dauerschmerzen und führt zu einer Schwächung der Achillessehnen.
Dadurch kann in weiterer Folge ein Riss der Achillessehne auftreten.
Die Ursache für das Auftreten einer
Achillessehnenreizung bis hin zur Haglund-Deformität sind meist
Trainingsfehler, wie inkonsequentes Dehnen, mangelhaftes Aufwärmen,
etc. Viele Läufer mit Achillessehnenproblemen haben eine verkürzte
Wadenmuskulatur durch unzureichendes Dehnen. Oft sind auch
unpassende Laufschuhe verantwortlich. |
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Es können aber auch Beinachsenprobleme dafür verantwortlich sein. |
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Bild: Pes plano-valgus (Knick-Plattfuss) |
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Tipp
Viele Läufer neigen zu einer Überpronation (dabei senkt sich der
innere Fußrand übermäßig und der Fuß knickt nach innen) in der
Stützphase und zu einer Übersupination (dabei senkt sich der
äußere Fußrand übermäßig und der Fuß knickt außenseitig ab)
in der Abstoßphase. Dies führt zu einer asymmetrischen Belastung
und Schmerzzuständen der Achillessehne. Eine Laufbandanalyse und
richtige Laufschuhe, eventuell in Kombination mit einem
Beinachsentraining durch einen Sportphysiotherapeut, können Wunder wirken.
Therapietipps im Akutstadium
- Trainingsstopp (evt. Umsteigen auf eine andere Ausdauersportart wie Radfahren, bis die Symptome abgeklungen sind).
- Kryotherapie (Eisbeutel, allerdings nicht länger als zehn Minuten - und niemals auf die nackte Haut auflegen).
- Topfenumschläge.
- Sportsalben oder -pflaster (Achtung: unbedingt Rücksprache mit dem behandelnden Arzt: nicht jede "Sportsalbe" ist auch wirklich als solche geeignet).
- Absatzerhöhung der Ferse.
- Manche Läufer schwören auf die positive Wirkung von Magnesium.
- Es ist auch einen Versuch wert, die schmerzende Achillessehne über mehrere Tage hindurch im Rahmen eines Vollbades für 5 Minuten kräftig mit einer Handbürste zu schrubben.
Ein Leser des Laufsportmagazins, in dem ein Artikel von mir zum Thema Achillessehne erschienen ist, schreibt folgendes: "Als Betroffener (ich habe z.Zt. eine lästige Achillessehnenentzündung und leide als Hobbyläufer darunter sehr) kann ich Ihren Empfehlungen nur vollinhaltlich bestätigen. Ergänzen möchte ich jedoch noch eine weitere, an mir persönlich sehr erfolgreich, praktizierte Therapie; nämlich die 'relux Eigenlicht Therapie', die mir durch Freunde bekannt wurde (www.relux.at hat alle Infos dazu). Ich bestrahle meine Sehne mit Grün-, Blau- und Eigenlicht und konnte damit - subjektiv - sehr gute Heilungserfolge erzielen. Zwischendurch schmiere ich Dolo-Menthoneurin-Gel - mit gutem Erfolg."
Bei massiven oder länger andauernden Beschwerden sollte ein
Sportarzt des Vertrauens aufgesucht werden. Dann müssen eventuell
auch Medikamente genommen (z. B. ein Diclofenac-Präparat) und
eine begleitende Physiotherapie und Ultraschallbehandlungen
angeordnet werden. In therapieresistenten Fällen kann die
Gips-Ruhigstellung erforderlich sein.
Bei Schmerzfreiheit kann das Training wieder aufgenommen werden.
Es empfiehlt sich in den ersten Wochen Wärmetherapie vor dem
Training (z. B. mit Thermosalben oder einem Thermophor), in
Kombination mit konsequenten Dehnungsübungen. Nach dem Training
muss wieder konsequent gedehnt werden (auch wenn derzeit leider
sehr oft Artikel erscheinen, die Dehnungsübungen als sinnlos
darstellen) in Kombination mit einer konsequenten Kryotherapie (Eisbeutel), evt. Topfenumschläge.
Cortison
Injektionen mit Cortison, in die Sehne oder um die Sehne herum,
sind nur bei wirklich therapieresistenten Fällen indiziert - doch
ist die Besserung unter Cortison oft schlagartig und nachhaltig.
Cortison führt zu einer exzellenten Hemmung der Entzündungsreaktion
(und hat damit seinen Platz in der Therapie von bestimmten
Beschwerdebildern), es führt allerdings auch zu einer
Verschlechterung der Durchblutungssituation der Sehne und damit zum
Absterben von mikroskopisch kleinen Sehnenanteilen, wodurch die
Wahrscheinlichkeit eines späteren Achillessehnenrisses deutlich
steigt. Öfter als zweimal (innerhalb kurzer Zeit) sollte man daher
nicht mit Cortison infiltrieren.
Operationsmethoden
Chronische Achillodynie
Bei chronischen Beschwerden ist bei Therapieversagen der
konservativen (= nicht-operativen) Therapie eventuell die
Operation indiziert.
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Die endoskopische Achillessehnendekompression ist eine
minimal-invasive Operationsmethode, die bei der chronischen
Achillodynie und der Haglund-Deformität meist zu einem sehr
guten Therapieerfolg führt. Dabei werden die entzündlich
veränderten Schichten abgetragen und Verknöcherungen abgefräst.
Im Anschluss an diese Operation ist eine Gipsruhigstellung für
2 - 4 Wochen erforderlich. |
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Bild: endoskopische Achillessehnenoperation |
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Bei sehr ausgeprägten Fällen ist ein größerer Hautschnitt
erforderlich. |
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Bild: offene Achillessehnenoperation |
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Die Achillessehne wird längsgespalten und die
abgestorbenen, zentral gelegenen Sehnenanteile werden entfernt.
Dann kann die Sehne wieder vernäht werden. |
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Bild: Entfernung von Nekrosen (=abgestorbenes Gewebe) aus dem zentralen Achillessehnenanteil |
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Haglund-Deformitäten lassen sich bei dieser Methode besonders
leicht entfernen. Ein Nachteil ist natürlich der etwas größere
Hautschnitt.
Achillessehnenriss
Bei ruckartiger Bewegung (wie zum Beispiel der Start zum Sprint,
oder ein Sprung beim Tennisspiel) kann es durch die plötzliche
Anspannung der Sehne zu einem Achillessehnenriss kommen. Besonders
häufig sind hier Läufer mit chronisch vorgeschädigten Sehnen
betroffen, hier kann es auch zu inkompletten Rissen der
Achillessehne kommen.
Ein weiterer typischer Verletzungsmechanismus ist der direkte
Tritt in die Sehne, wie es zum Beispiel beim Fussballspiel durch
einen groben Gegner geschehen kann. Oft ist bei dieser Verletzung
ein richtiges "Knallen" zu hören.
Typische Symptome sind Schmerzen und Bewegungseinschränkung, oft
ist auch eine richtige Delle in der Achillessehne zu tasten. Der
Verletzte kann den Zehenspitzenstand nicht mehr ausführen. Ein
typisches diagnostisches Zeichen ist der positive Thompson-Test:
Beim knienden Patienten führt die Kompression der Wade nicht zu
einer Plantarflexion (= die Beugung des Fußes oder der Zehen in
Richtung der Fußsohle) - im Gegensatz zur unverletzten Gegenseite.
Kann die Diagnose nicht mit absoluter Sicherheit gestellt werden,
sollte eine Ultraschall-Untersuchung oder Kernspintomographie (MRI)
erfolgen.
Die Therapie besteht in der Operation, der direkten Naht der
beiden Sehnenstümpfe, eventuell verstärkt durch eine körpereigene
Sehne (Plantarissehne). Die konservative (= nicht-operative)
Therapie ist nur dann sinnvoll, wenn man radiologisch eindeutig
nachweisen konnte, dass sich die beiden Sehnenstümpfe bei
Plantarflexion gut aneinanderlegen.
Im Anschluss ist eine mehrwöchige Gipsbehandlung erforderlich.
Angenehmer als der Gipsverband ist ein "Walker", eine stiefelähnliche
Stütze, die das Operationsergebnis schützt.
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