Brüche (=Frakturen) des Kahnbeins enden häufig mit signifikanten funktionellen Verlusten, Arbeitsunfähigkeit für Wochen und langfristiger Abstinenz von sportlichen Ausgleichsaktivitäten. Hauptprobleme rund um die Kahnbeinfraktur sind immer noch die Diagnose aber auch andere Komplikationen wie posttraumatische Schmerzen, Funktionsverlust, verzögerte Frakturheilung bis hin zur Pseudarthrose (=Nicht-Heilung des Knochens).
Diagnose
Die Diagnose erfolgt mittels klinischer Untersuchung und Evaluierung des Unfallhergangs. Meistens handelt es sich um einen Sturz auf die ausgestreckte Hand, wobei das Handgelenk nach hinten überstreckt wird. Das Druckschmerzmaximum ist über der Tabatiere, jener Mulde die durch zwei Daumenstrecksehnen gebildet wird. Nach kurzer Zeit findet sich dort meist auch ein Hämatom (=Bluterguss). Oft sind die Beschwerden aber nicht sehr stark ausgeprägt, sodass dieser Bruch manchmal gar nicht bemerkt wird, bzw. die Symptome einfach übergangen werden. – Das ist allerdings ein Nachteil, denn die Nicht-Behandlung führt meist zur Pseudarthrose (s. unten), mit ihren unangenehmen Folgen.
Unbedingt erforderlich zur Diagnose ist das Röntgen, wobei vier Aufnahmen von der Handwurzel angefertigt werden (Bild 1a). Sollten zwar die klinischen Symptome einer Kahnbeinfraktur bestehen, diese aber radiologisch nicht nachweisbar sein, empfehle ich eine MRI Untersuchung (Bild 1b). Die Alternative dazu wäre es, die verletzte Hand einzugipsen – und nach 10 Tagen erneut Röntgenbilder anzufertigen.
| Bild 1a: Auf den Kahnbeinaufnahmen ist die Kahnbeinfraktur deutlich ersichtlich. | Bild 1b: Das MRI Bild zeigt die Kahnbeinfraktur eines 20-jährigen Sportlers nach Sturz auf das Handgelenk. Auf den primären Röntgen-Aufnahmen war der Bruch nicht ersichtlich. Der Patient klagte aber über typische Schmerzen, sodass eine MRI Untersuchung veranlasst wurde. |
| Behandlung In vielen Krankenhäusern wird das verletzte Handgelenk immer noch einfach eingegipst. Oft wird auch noch der Daumen mit-eingegegipst, obwohl es inzwischen erwiesen ist, das der Daumeneinschluss bei der unverschobenen Kahnbeinfraktur keinen Vorteil bringt. Für einen unverschobenen Kahnbeinbruch ist ein richtig angelegter Unterarmgips ausreichend. Die Ruhigstellungsdauer im Gips liegt bei acht Wochen. | Bild 1: Über eine Mini-Stichinzision (die man am besten in eine Hautfalte legt, sodass die kleine Narbe nach Monaten meist nicht mehr sichtbar ist) wird mit dem Skalpell das Gelenk eröffnet. Bild 2: Danach wird ein Bohrdraht als Führung für die Schraube unter Röntgendurchleuchtung eingebracht. Bild 3: Nachdem der Kahnbeinbruch verschraubt ist, ist die Frakturlinie nicht mehr sichtbar. Bild 4: Der Mini-Hautschnitt wird mit einer Naht verschlossen – die Schmerzen nach dieser Operation sind minimal. |
Alternative --> perkutane Operation
Die Alternative besteht darin, die Patienten mit einer sehr schonenden (minimal-invasiven) Operationsmethode zu behandeln. Dabei wir mit einem Minischnitt eine Schraube eingebracht, die diesen Bruch stabilisiert. Die Patienten brauchen keinen Gips - und sind nach vier Wochen wieder voll sport- und arbeitsfähig.
Das war unser prinzipieller Ansatz. Wir haben dazu gemeinsam mit der Universität von Edinburgh eine wissenschaftliche Studie durchgeführt. Diese Studie zeigte mit wissenschaftlichen Methoden ganz objektiv, dass die operative Methode der langen Gipsruhigstellung ganz eindeutig überlegen ist. Es gab keine wesentlichen Komplikationen durch die Operation. Patienten, die operiert worden waren, konnten nach fünf Wochen wieder jeden Sport machen - und waren dann auch voll arbeitsfähig. Patienten, die nur gegipst worden waren, brauchten durchschnittlich acht Wochen, um wieder arbeiten zu können - und durchschnittlich 14 Wochen, bis sie wieder voll sportfähig waren. Außerdem gab es in der Gruppe der nicht operierten Patienten drei mit Pseudarthrosen, die nach 16 Wochen Gipsbehandlung doch operiert werden mussten.
Bitte beachten Sie, dass sich medizinische Indikationen und Therapien ständig ändern. Teilweise erfolgen diese Veränderungen rascher, als ich zeitlich imstande bin, meine Homepage zu aktualisieren. Manche Informationen zu Dosierung, Verabreichung und Zusammensetzungen von Medikamenten können sich inzwischen geändert haben. Das Lesen einer Internetseite kann den Besuch beim Arzt nicht ersetzen - es kann sein, dass Ihnen bei einer Untersuchung und anschliessenden Besprechung durch Ihren Arzt auch andere Informationen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse mitgeteilt werden.
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