Rehabilitation

Unter Rehabilitation im weiteren Sinne versteht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein möglichst vollständiges Wiedererlangen der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der Voraussetzungen funktioneller, anatomischer, psychischer und sozialer Art des entsprechenden Individuums. Das klingt nun ziemlich geschwollen, bedeutet aber nichts anderes, als dass im Rahmen der Rehabilitation versucht wird, die vor einer Verletzung vorhandene Leistungsfähigkeit wieder komplett herzustellen.

In der Ordination Univ. Prof. Dr. Christian Gäbler steht Ihnen mit Frau Julia Haberzettl (Dipl. Physiotherapeutin, Sportphysiotherapeutin) und Herrn Michael Zeischka (Sporttherapeut) ein professsionelles Therapie-Team zur Verfügung.

Hier haben natürlich Spitzensportler, Leistungssportler und Büromenschen unterschiedliche Voraussetzungen und Ansprüche, obwohl die Grundsätze der Rehabilitation physiologisch definiert sind und für jeden Menschen gelten. Beim Spitzensportler wird jedoch manchmal versucht, auch unter Inkaufnahme eines gewissen Risikos, Grenzbereiche auszuloten. Diese Erfahrungen sollen wieder in den allgemeinen Rehabilitationsprozess einfließen und dem Normalbürger zugute kommen.

Ein Spitzensportler steht unter Umständen zwei Tage nach einer Meniskusoperation wieder am Fußballfeld - ein anderer gewinnt zwei Wochen nach einer Kreuzbandverletzung ein Rennen. Im Gegensatz zu einem Leistungssportler, der eventuell zwei Wochen nach einer Kreuzbandoperation noch mit Krücken zur Nahtentfernung kommen muss. Das bedeutet nun nicht, dass ein Spitzensportler schneller gesund wird. Es bedeutet nur, dass ein Spitzensportler auf seinem Weg zum Comeback (und damit zu seinem finanziellen Einkommen) Risiken auf sich nimmt, die ein Amateursportler nie auf sich nehmen würde bzw. sollte.

Um dies zu verstehen muss man auch folgende Erklärung anbieten: Ein Leistungssportler ist ein regelmässig trainierender Hobbysportler vom Junior bis zum Veteranen, für den die Ausübung des Sportes eine wesentliche Rolle in seinem Leben spielt, Sport allerdings nicht unbedingt die Hauptquelle des Einkommens darstellt. Ein Spitzensportler dagegen ist ein Sportler, der meist täglich trainiert, um sich in internationalen Bewerben zu behaupten und für den Sport gleichzusetzen ist mit Beruf (und Berufung).

Sport-Rehabilitation

Umgesetzt auf den Leistungssport ist die Sport-Rehabilitation die Rückführung des Leistungssportlers zu seiner vollen sportlichen Leistungsfähigkeit unter den vorgegebenen motorischen, anatomischen und psychischen Möglichkeiten nach einer Verletzung oder Krankheit. Es können also auch keine Effekte erwartet werden, welche über die vorgegebenen Möglichkeiten hinausgehen. Um dies zu verstehen, muss man verstehen, wie die Heilung abläuft.

Die Heilung besteht aus drei Heilungsphasen (Entzündungsphase, Proliferationsphase, Organisationsphase), deren Dauer durch die Rehabilitation deutlich verkürzt werden kann und ist für Sportler und Nichtsportler identisch
Grafik: Heilungsphasen

Entzündungsphase:

Egal um welche Sportverletzung es sich handelt, um eine Zerrung, einen Bänderriss oder einen Bruch, die Symptome sind in unterschiedlichem Ausmaß immer die folgenden:

  • Schmerz
  • Schwellung
  • Rötung
  • Eingeschränkte Funktion

Die Behandlungsgrundsätze in dieser Heilungsphase sind den meisten Sportlern wohl bekannt. Es gilt, den oft überschießenden Entzündungsprozess so rasch als möglich in erträgliche Bahnen zu lenken.

Ruhigstellung, Hochlagern, Komprimieren und Kryotherapie, sowie Topfenumschläge sind die Mittel der Wahl. Auch der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten und Sportsalben hat hier seinen Platz.

Die initiale Entzündungsphase dauert in der Regel zwischen drei Tagen und zwei Wochen. Histologisch gesehen versucht der Körper eine Schadensbegrenzung durchzusetzen und die beschädigten Strukturen umzuwandeln oder abzutransportieren.

Proliferationsphase:

Nach rund einer Woche (je nach Effektivität der eingesetzten Therapie kann die Entzündungsphase kürzer oder länger dauern) beginnt meist überlappend die Proliferationsphase. Sie kann Wochen (Band-, Sehnenverletzung) unter Umständen auch Monate (Knochenbruch) dauern. Dabei kommt es zum Einwachsen der neuen Zellen, meist noch unkoordiniert, aber das Gewebe beginnt langsam wieder eine gewisse Festigkeit zu erlangen. Es beginnt die Wiederherstellung der anatomischen und funktionellen Voraussetzungen, die sich vor allem in qualitativer Hinsicht durch eine geeignete Physiotherapie und durch ein adäquates Einsetzen von Belastung und Entlastung beeinflussen lässt.

Wie in der Entzündungsphase bewirkt Ruhigstellung auch in der Proliferationsphase eine gewisse Schmerzfreiheit und fördert bis zu einem gewissen Ausmaß die Heilung. Daher wurde früher nach einer Kreuzbandoperation zum Beispiel das gesamte Bein für bis zu zwölf Wochen im Gipsverband ruhiggestellt. Damit heilte zwar das Kreuzband meist sehr gut, allerdings waren die ruhiggestellten Gelenke steif und unbeweglich für Monate (manchmal auch für immer) - die Muskulatur war weggeschmolzen, und musste erst in monatelangem Training wieder aufgebaut werden, die Patienten brauchten nicht Wochen, sondern Monate bis Jahre um wieder sportfähig zu werden. Daher wird heute in der Proliferationsphase, v. a. aber in der überlappend anschliessenden Organisationsphase die dosierte Bewegung unter Schutz der geschädigten Strukturen als Rehabilitationsmittel der Wahl angesehen.

Die Hauptüberlegung liegt also darin, die Gelenksbeweglichkeit auf möglichst gutem Niveau zu erhalten und möglichst wenig an Muskulatur zu verlieren. Die Störfaktoren Schmerz und Erguss aus der Entzündungsphase behandelt man nicht mehr über die absolute Ruhigstellung, sondern versucht sie mittels passiver physikalischer Maßnahmen (Kryotherapie, Elektrotherapie, Ultraschall usw.) zu dämpfen. Gleichzeitig wird über Stunden im sicheren Bewegungsausschlag das verletzte Gelenk bis an die Schmerzgrenze passiv, z.B. auf einer Motorschiene durchbewegt.

Hier befindet sich das Rehabilitationsteam (Sportler, Therapeut, Arzt) auf einer ständigen Gratwanderung zwischen einem Zuviel an Bewegung mit der Gefahr des Wiederaufflammens des Entzündungsprozesses oder dem Zerreißen von sich in Heilung befindenden verletzten Strukturen und einem Zuwenig an Bewegung mit suboptimalem Heilungsprozess und mindestens partiell versteiftem Gelenk. Aus diesem Grund wird in dieser Phase bis knapp an die Schmerzgrenze trainiert. Die gleiche Problematik gilt auch für den Kraftbereich, braucht doch das Gewebe nach dem Wolffschen Gesetz eine gewisse Belastung, um eine optimale Festigkeit zu erlangen, allerdings darf diese Kraft nicht zu hoch sein, damit es nicht zu Sekundärschäden kommt. Dies bedarf einer großen Erfahrung und einer hohen Flexibilität des Therapeuten und des Sportlers.

Bereits ab der Proliferationsphase sollte, gerade beim Spitzensportler - aber auch beim Leistungssportler, der ganze übrige Körper, mit Ausnahme der verletzten Gliedmassen, einem konsequenten Training der konditionellen Grundfaktoren (Koordination, Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit) unterzogen werden.

Organisationphase:

Die Organisationsphase ist charakterisiert durch das Wiedererlangen der vollen Funktion und Koordination, nachdem die Verletzung per se bereits geheilt ist.

Wird für den Nichtsportler die Rehabilitation bereits in der Proliferationsphase weniger aggressiv und damit auch mit geringerem Risiko vorangetrieben, überlässt man die anschliessende 3. Phase, die Organisationsphase, meist dem Alltag und beendet hier die gezielte Therapie. Beim Spitzensportler wird allerdings auch in dieser Phase noch intensiv an der Koordination und dem Kraftaufbau gefeilt.

Spätestens jetzt stösst nun der Trainer zum Rehabilitations-Team. Er sollte allerdings im optimalen Fall bereits in der Proliferationsphase konsequent in die Rehabilitatoin des Sportlers eingebunden werden. Häufig muss man in dieser Phase Trainingsmängel oder eine fehlerhafte Technik (evtl. der eigentliche Grund für die Verletzung), welche bereits früher bestanden haben, ausmerzen. Manchmal müssen ganze Trainingspläne zeitweise oder für immer umgeschrieben werden. War ein Überlastungsschaden durch einseitiges Training bedingt, muss man den Sportler (und den Trainer) dazu bringen auch allgemeine bzw. kontemplative Sportarten neu zu trainieren, um ein ausgewogenes Training zu erzielen (z.B. Krafttraining für Ruderer, Schwimmtraining für Marathonläufer etc).

Ganz entscheidend ist auch die psychologische Komponente, vor allem für den Spitzensportler: so hat ein Slalomfahrer nach einer Schulterluxation grösste Mühe, den Bogen links und rechts um die Slalom-Stange einigermassen symmetrisch zu fahren. Ein derartiges Verhalten, verstärkt durch eventuelle Schmerzen der initial verletzten Schulter, ist nur noch sehr schwer aus dem Unterbewusstsein herauszubringen. Damit sich ein solches Verhalten primär schon gar nicht ausbildet, wurden Coping-Strategien entwickelt, welche möglichst früh im Rehabilitationsprozess von Arzt und Therapeut eingesetzt werden sollten.

Abschließend ist zu bemerken, dass die richtige und konsequente Rehabilitation (bestehend aus physikalischer Medizin und Physiotherapie) mindestens 50% des Heilungserfolges ausmacht. Dieser Tatsache muss sich jeder verantwortungsvolle Chirurg bewusst sein.


 

Bild: Sport Windsurfing

50% des Operationsserfolges werden durch die anschließende konsequente Rehabilitation erzielt.